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Zur Geschichte einer
‚schwierigen’ Beziehung ______________________________ Perspektivisch
werden an dieser Stelle kurze Abrisse zu einzelnen Epochen und zu
verschiedenen Kulturen präsentiert. |
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Sport und
Literatur seien, so behauptete
Marcel Reich-Ranicki 1964 nicht ganz genuskorrekt, „feindliche Brüder“. Karl
Riha meinte zwanzig Jahre später in einem Themenheft von „Sprache im
technischen Zeitalter“, sie würden sich noch immer „beißen“. Und K. Ludwig
Pfeiffer nannte seine Einlassungen auf die beiden kulturellen Praktiken
bezeichnenderweise Zähmungsversuche. Das Verhältnis der
‚Geschwister’ kann nicht immer so schwierig gewesen sein. Pindars Epinikien
auf die Sieger von Olympia, Korinth, Delphi und Nemea waren Auftragswerke,
die dem Verfasser ein gutes Auskommen und bleibenden Ruhm verschafften. In der höfischen Kultur
des Mittelalters ergänzten sich die literarische Minne und die Turniere
gegenseitig, und auch Hans Sachs hatte keine Probleme damit, die erste
‚bürgerliche’ Fechtbruderschaft, die Marxbrüder, in einem „fechtspruch“ zu
feiern. Mit der Aufklärung, insbesondere aber seit dem Sturm und Drang, scheint sich das Verhältnis von Literatur und Leibesübungen zumindest im deutschsprachigen Raum entscheidend verändert zu haben. |
Durch die ‚Erfindung’,
des Literarischen im modernen Sinne, d.h. durch die Befreiung der Produktions-
und Rezeptionstheorie literarischer Texte aus den normativen Zwängen der
Rhetorik und der Regelpoetik und durch die Kündigung literarischer
Verbindlichkeiten gegenüber Theologie, Moral, Geschichte und Politik auf der
einen und die Initiierung einer neuen, pädagogisch und anthropologisch
ausgerichteten Bewegungskultur auf der anderen Seite wurden die beiden
Praktiken uneingestandenermaßen zu Konkurrenten bei der Arbeit am Menschen.
So bleibt auch das Jahnsche Turnen fast ohne literarische Reflexe. Das ändert sich erst
mit der Konjunktur des englischen Sports, die am Ende 19. Jahrhunderts
einsetzt und als eine der Tendenzen des Industriezeitalters von Wedekind und
Ringelnatz bis Brecht und Musil thematisiert wird. Für die
Sportgeschichtsschreibung freilich bestand schon immer ein enger Zusammenhang
zwischen ihrem Gegenstand und der mit hohem kulturellem Prestige
ausgestatteten Literatur, der, anfangs allein zu legitimatorischen Zwecken
eingesetzt, mittlerweile einer kritischen Revision unterzogen wird. [ |